Das Strauß-Denkmal zerbröckelt

Veröffentlicht am 13.07.2010 in Allgemein
 

Franz Josef Strauß gilt als Ikone der CSU. Edmund Stoiber bezeichnete ihn als "größten Sohn" der Partei. Andere CSU-Spitzenpolitiker verlangen für Strauß gar einen Platz in der Ehren- und Ruhmeshalle Walhalla bei Regensburg. "Lieber nicht!", möchte man den Leuten von der Union da zurufen. Das Strauß-Denkmal wankt gewaltig.

Der ehemalige Ministerialrat und CSU-Parteigänger Wilhelm Schlötterer hat aufgeschrieben und veröffentlicht, was viele längst dachten, die 1 und 1 zusammenzählen können.

"Mehr als 20 Jahre nach Strauß’ Tod wird ein Mythos um den ehemaligen CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß gehegt, der im krassen Gegensatz zur Realität steht. Seine Gier nach Macht und Geld ließ den einstigen Parteichef und Ministerpräsidenten sich selbst zum Gesetz erheben: Er setzte ihm genehme Beamte in Schlüsselpositionen ein, begünstigte befreundete millionenschwere Unternehmer und griff in amtliche Entscheidungen ein. Wer sich ihm entgegenstellte, wurde ausgeschaltet. Dieser Regierungsstil, die Ausbeutung des Staates für Partei- und Privatinteressen, endete jedoch nicht mit der Ära Strauß, sondern reicht über Max Streibl und Edmund Stoiber bis hin zu Erwin Huber", schreibt Schlötterer in seinem Buch.

Wilhelm Schlötterer ist CSU-MItglied und arbeitete fast 30 Jahre im bayerischen Finanzministerium. In der Ära Strauß war er mit dubiosen Steuerfällen betraut, die sich später zu spektakulären Affären ausweiteten und schließlich in der Amigo-Affäre mündeten. Er führt die Ausmaße des Strauß-Netzwerkes sowie dessen Machenschaften - auch unter den Nachfolgern - vor Augen und berichtet von seinem persönlichen Widerstand gegen ein schamloses Machtsystem, das Rechtsstaatlichkeit und Demokratie in besorgniserregender Weise missachtet.

Michael Stiller, langjähriger leitender Redakteur der Süddeutschen Zeitung: "Dieses Buch entlarvt die Wiederbelebung eines verqueren Strauß-Mythos durch die CSU als peinliche Farce. Der Autor, als früherer leitender Steuerbeamter Bayerns von der Strauß-Clique wegen seiner Unbestechlichkeit und Unbeugsamkeit über viele Jahre kujoniert und verfolgt, obwohl selbst CSU-Mitglied, setzt gegen Legenden gnadenlos Fakten: über den Raubinstinkt von Politikern, die Begünstigung ihrer Amigos, schamlose Selbstbedienung mithilfe des Staatsapparates und menschenverachtende Behandlung jener, die sich pflichtgemäß diesem bis heute anhaltenden Treiben widersetzt haben oder noch widersetzen."

Das Buch "Macht und Missbrauch" ist im Fackelträger-Verlag erschienen und für 22,95 Euro überall im Buchhandel erhältlich.

 

 

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