Video-Clip mit Ismail Ertug

Veröffentlicht am 29.05.2009 in Europa
 

Regisseur Tuna Kaptan, Kameramann/Produzent Jan Menzel

Kopf oder Zahl? Obepfälzer oder Niederbayer? Deutscher oder Türke? Europakandidat Ismail Ertug aus Amberg stellt sich im Internet mit einem pfiffigen Video vor. Zwei engagierte junge Internetfilmer haben ihn dabei unterstützt und uns ein bisschen was von der Arbeit vor und hinter den Kulissen eines solchen Web-Spots erzählt.

Hier reinschauen: Video

Interview mit Tuna Kaptan, der für die Regie verantwortlich zeichnet:


Was hat Dich an diesem Projekt interessiert?

Zunächst habe ich mich als Kameramann für das Projekt beworben, das sehr viel versprechend klang: Ein junges Wahlkampfteam und ein junger, außergewöhnlicher Kandidat für die Europawahl, der denselben deutsch-türkischen Background hat wie ich. Als dann meine Drehbücher Anklang fanden, wurde ich noch stärker motiviert und hatte das Gefühl, dass wir wirklich etwas Außergewöhnliches schaffen können.

Was reizt Dich am Medium Film/Internet?

An der Gattung "Wahlkampfvideo" hat mich besonders interessiert wie man es am Geschicktesten schafft, künstlerischen Anspruch und politische Werbung zu verbinden. Wie kann man eine ungewöhnliche Idee, jenseits standardisierter Plattitüden- oder Parolenwahl-werbung umsetzen?

Das war ein schmaler Grat: Wie viel Aufmerksamkeit kann man erregen und gleichzeitig politisch seriös bleiben? Wie symbolisch darf ich sein? Ab wann wird es zu abstrakt? Diese Fragen haben mich ständig begleitet in der Konzeptionsphase der Drehbücher.

Das Web 2.0 ist ein sehr demokratisches Medium, Inhalte sind frei zugänglich und können verändert werden. Es gibt wenige Kontrollinstanzen. In solch einem Medium funktionieren bestimmte Formate mehr und manche weniger. Für uns war es jedenfalls klar, dass wir diesen Wahlkampfclip bei Youtube und ähnlichen Foren veröffentlichen wollen. Das hatte wiederum großen Einfluss auf die Gestaltung der Wahlwerbung und auf die anzusprechende Zielgruppe. Wir wollten mit dem Spot vor allem junge Menschen ansprechen.

Was verbindest Du persönlich mit dem Thema Europäische Union?

Für mich ist Europa mit einer köstlichen Speise zu vergleichen. Wenn sie gelungen ist, hat sie etwas Einheitliches, Deliziöses. Es duftet vorzüglich und ist gleichzeitig ein Augenschmaus. Aber das Wichtigste ist dass man sämtliche Zutaten schmeckt, dass kein Geschmack dominiert.

Könntest Du Dir vorstellen, so einen Clip wieder zu drehen?

Ein eindeutiges „ja“ - so lange ich das Gefühl habe, meinem künstlerischen Anspruch gerecht zu werden und die Freiheit habe etwas Außergewöhnliches zu machen. So lange ich nicht das Gefühl habe plumpe Parolen für plumpe Menschen oder Parteien zu unterstützen durch meine Ideen.

Was für Feedback bekommst Du für den Clip?

Zu gewissen Zeiten war ich schon sehr skeptisch ob es gut ankommen würde. Der Clip spielt viel mit Symbolen, ist schnell geschnitten mit abgehackten Dialogfetzen - teilweise mit nur einzelnen Worten, Ideen, Vorstellungen. Außerdem hat er eine abstrakte Ebene, nicht alles wird erklärt, es gibt keine klaren Antworten. Genau das wollten wir aber erreichen, als Synonym für Europa mit seinen vielen Identitätskonzepten.
Als der Clip veröffentlicht wurde und ich so viel positives Feedback bekommen habe, war ich überglücklich.

Wie viel Zeit in Stunden habt ihr rein gesteckt? Ging auch was schief?

Es waren unzählige Stunden Einsatz und harte Arbeit, von der Ideenfindung, über die Recherche, bis zum eigentlichen Dreh. Allein der Schnitt hat zwei Tage gedauert. Auch die Regiearbeit vor und während der Dreharbeiten mit zwei Nichtschauspielern war definitiv schwieriger als erwartet.

 

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